Bei uns gibt es weder politische noch gesellschaftliche oder gesundheitliche Tabus. Wir diskutieren offen über alles, was die Gemüter bewegt oder uns bedrückt. Oftmals stoßen wir dabei auf Widerstände, vor allem bei der älteren Generation, doch für die Mehrheit unserer Mitglieder und Mitmenschen sind Themen wie Schweißfüße, Alkoholismus, Gewalt in der Familie oder Blasenschwäche kein Tabu.

In unserem anonymen Briefkasten sammeln wir die Themen, über die unsere Mitmenschen gern reden oder mehr erfahren würden. Überraschenderweise überwogen in den letzten Monaten mehr gesundheitliche Themen als politische. Und so haben wir einen Vortrag von Herrn Dr. hc. Schmidt, Urologe Berlin, organisiert, der in unserer letzten Tabu-Veranstaltung über das Thema Blasenschwäche und Dranginkontinenz, sexuelle Störungen und Harnwegsinfektionen gesprochen hat. Dieses Thema ist nicht nur für die älteren Menschen interessant, denn Blasenschwäche und Blasenentzündungen können auch in jungen Jahren aus verschiedenen Ursachen auftreten.

Dieser Vortrag wurde wie erwartet auch sehr gut besucht. Anschließend beantwortete der Doktor auch noch die Fragen seiner Zuhörer, bei denen so manches persönliche Schicksal offenbart wurde. Eine Frau gestand, dass sie sich im letzten Jahr 5 neue Matratzen gekauft hatte, weil sie, ohne es zu merken in der Nacht eingenässt hatte. Sie wollte auch wissen, ob sie das Geld dafür von der Krankenkasse oder vom Arzt zurückbekommen könnte, da sie wegen dieser Blasenschwäche schon viele Jahre in Behandlung war. Solche und noch viele Fragen kamen auf den Tisch und niemandem ist eingefallen, über den anderen zu schmunzeln. Ganz im Gegenteil, haben sich viele danach noch zusammengefunden, um über ihre Probleme zu sprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.